ERFOLGSGESCHICHTE  -  BEITRAGSSERVICE  -  KUNDENGEWINNUNG  -  SCHWARZHÖHRER UND -SEHER  -   ES GEHT AUCH ANDERS

 

 

Die Kundengewinnung des Beitragsservice

 

Es hat schon etwas sehr zynisches an sich, wenn der Beitragsservice jährliche in seinen Geschäftsberichten von Kundengewinnung spricht. Ein Kunde entscheidet sich freiwillig für den Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung. Er ist durch Service und / oder Produktqualität von dem Objekt überzeugt und hat sich nach dem Vergleich von Angeboten durch Wettbewerber zu diesem einen Objekt entschieden.

Für den Beitragsservice sieht Kundengewinnung ganz anders aus. Und das hat schon gar nichts mit Kundenorientierung zu tun. Das große Stichwort heißt seit 2013 Meldedatenabgleich. Bei Datenschützer setzt hier sofort eine Schnappatmung ein. Aber die Politik hat dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit dem neuen Rundfunk-Staatsvertrag einen Persilschein für ihr Handeln ausgestellt. Das zweite Stichwort in diesem Zusammenhang heißt Direktanmeldung.

Um die Zusammenhänge von Meldedatenabgleich und Dirketanmeldung zu verstehen muss man kurz die alte Rundfunkgebühr mit dem neuen Rundfunkbeitrag vergleichen.

 

Rundfunkgebühr / Rundfunkbeitrag

bis 2013 gab es die GEZ und die Rundfunkgebühr. Jeder Bürger musste seine Rundfunk- und Fernsehgeräte bei der GEZ anmelden. Familien konnten gegenüber der GEZ gerne erklären, dass alle neue Rundfunkgeräte einem Familienvorstand gehörten. Alle anderen Familienmitglieder hatten den Nutzen. Sobald aber die Großeltern im Haushalt mit wohnten, mussten diese auch ihre Rundfunkgeräte anmelden. Und sobald ein Jugendlicher ein eigenes Auto fuhr, waren auch hier Rundfunkgebühren zu entrichten. Damit die GEZ auch jeden zahlungspflichtigen Bürger auf dem Schirm hatte, bekam jeder eine Teilnehmernummer zugeordnet.

ein Bürger

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ein Rundfunkgebührenzahler

123456789

eine Teilnehmernummer

Das ganze wurde in einer EDV abgebildet (in der Informatik spricht man von einer 1:1 / eins zu eins Beziehung). Der zahlungspflichtige Bürger hatte fortan auf dem Überweisungsträger seine Teilnehmernummer anzugeben, damit die GEZler auch den Zahlungseingang korrekt zuordnen konnten.
Die Mitarbeiter der GEZ schufen sich in den Jahrzehnten ihres Bestehen einen unrühmlichen Namen. Hinter jeder Wohnungstür wurden tausende Schwarzseher und Schwarzhörer vermutet. Also versuchte man sich Einlass in die Wohnungen zu verschaffen um die Rundfunk- und Fernsehempfänger ausfindig zumachen. Diese Meinung hat sich im Hause Köln und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten so verfestigt, dass auch heute noch überall Beitragsverweigerer gesehen werden. Eine mit den Jahren ins paranoide gesteigerte  Betrachtungsweise, die für den enormen Anstieg an Mahn- und Inkassoverfahren seit 2014 herhalten muss.

Ab dem 1. Januar 2013 wird eine grundlegende Neuerung für den staatlichen Rundfunk eingeführt. Um Gerechtigkeit unter den Betragszahlern zu erreichen wird von der Zahlungspflicht des einzelnen, volljährigen Bürgers auf die Zahlungspflicht des Haushalts umgestellt. Für Kommunen und Unternehmen hat sich die Neuerung aber ganz bald als Kostentreiber entpuppt.

Für Privatpersonen heißt es ab dem 1.1.2013: nicht mehr eine Einzelperson, sondern alle Bewohner einer Wohnung, eben der Haushalt soll fortan den Rundfunkbeitrag bezahlen.

ein Haushalt / eine Wohnung

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gesamtschuldnerische Haftung aller gemeldeten Personen
einer Wohnung als ein Rundfunkbeitragszahler

987654321

eine Teilnehmernummer

In der EDV muss für die bisherige 1:1 / eins zu eins Beziehung der Teilnehmer durch den Haushalt ersetzt werden. Und jetzt kommt die Neuerung: Nicht ein Teilnehmer sondern alle Bewohner des Haushalts stehen gesamtschuldnerisch für den Rundfunkbeitrag ein. Der eine Haushalt hat damit eine 1:n / eins zu beliebige Zahl Beziehung zu den Bewohnern der Wohnung. Für n kann man eine Zahl von 1 bis unendlich eintragen.

Weil in einem Haushalt mehrere Menschen leben, sollen alle Volljährigen gesamtschuldnerisch den Rundfunkbeitrag dem Beitragsservice schulden. Eine Änderung mit tiefgreifenden Konsequenzen. Nun ist die Wohnung, konkreter gesagt die Adresse mit dem Stockwerk und der Wohnungstür das entscheidende Kriterium für die Zuordnung der Zahlungspflicht.

Man kann also die Teilnehmernummer an der Klingel für die Wohnung anbringen!

Und dann gibt es die vielen Namen der Bewohner eines Haushalts. Damit man den gesamtschuldnerischen Personenkreis sofort erkennt, muss man diesen die gleiche Teilnehmernummer - die der Wohnung geben.  Diese ganzen Informationen muss nun der Beitragsservice verarbeiten. Damit der Kontakt leichter geht, ist aus dem Haushalt ein HAUPTZahlungspflichtiger zu benennen. Da hat es sich der Beitragsservice beim Start ganz einfach gemacht. Die bisherigen Beitragszahler mit den bisherigen Anschriften und Teilnehmernummer wurden als HAUPTZahlungspflichtige des Haushalts erklärt. Solange da keine Veränderung in dem Haushalt stattfindet, also kein Zu- oder Umzug von Bewohnern durchgeführt wird, ist alles im Lot.

So eine grundlegende Veränderung sollte natürlich mit einer Anpassung der EDV, der Neugestaltung von Betriebsprozessen, Abläufen, Formularen und erst recht der Schulung der Mitarbeiter vom Beitragsservice einhergehen. Ja aber, was das alles kostet!  Vielleicht geht es auch billiger, wenn man nur einen Teil der Veränderungen in der EDV, der Neugestaltung von Prozessen und Abläufen umsetzt.
Aber das wichtigste aller Fragen bei der Umstellung2013 ist:   hat der Beitragsservice die Teilnehmernummer nach der Umstellung nun an den Haushalt gekoppelt?

NEIN - die Teilnehmernummer ist noch weiterhin nur einem Bürger zugeordnet und der Bürger ist mit dieser Teilnehmernummer bis zu seinem Tod eng verbunden.

Das hat ganz fatale Folgen (Jahresbericht 20105 Seite 23). An aller erste Stelle steht die Unmöglichkeit des Beitragsservice die gesamtschuldnerisch haftenden Beitragszahler eindeutig zu identifizieren. Das gelingt in einer EDV nur, wenn allen Bewohnern eines Haushalts die gleiche Teilnehmernummer zugeordnet wird. Dazu muss man Wissen, wer mit wem zusammen wohnt. Diese fundamentale Information liegt dem Beitragsservice aber nicht vor und erhält der Beitragsservice auch nicht durch den Meldedatenabgleich. In den übermittelten Meldedaten ist der Name und die Adresse der gemeldeten Person enthalten - nicht aber die Wohnung. Die neue Regelung EIN HAUSHALT - EIN BEITRAG ist dem Beitragsservice aber total unwichtig. Die Teilnehmernummer bleibt einer Person bis zu seinem Tod eng verbunden. Bei jeder Direktanmeldung prüft der Beitragsservice weder bestehende Rundfunkbeiträge der Person im Rahmen des Haushalts. Bei jeder Direktanmeldung vergibt der Beitragsservice auch leichtfertig neue Teilnehmernummern. Ein System, bei dem der Beitragsservice selbst schnell nicht mehr den Durchblick hat.

Die Ignoranz der neuen Regelung EIN HAUSHALT - EIN BEITRAG kommt noch besser. Weil ein Teil der Bürger immer wieder zu anderen Haushalten wechseln oder gar einen eigenständigen Haushalt neu eröffnen, kommt nun zuviel Bewegung in den Datenbestand des Beitragsservice. Der Beitragsservice hat die EDV nur halbherzig auf die neuen Anforderungen programmiert. In der EDV ist ja noch weiterhin die Verknüpfung "aus alten Zeiten" zwischen einem Bürger als einem Rundfunkbeitragszahler. Was passiert dann, wenn ein beim Beitragsservice eingetragener Hauptzahlungspflichtiger den Haushalt verlässt und

Die Zeit von Verwirrung, Klärungsbedarf und selbstgestaltetem Chaos beginnt

Es mag für den gesunden Menschenverstand lächerlich sein, dass noch weiterhin in alten Strukturen gedacht und gearbeitet wird. Beim Beitragsservice bleibt die Teilnehmernummer nach dem 31.12.2012 weiterhin einem Bürger in der EDV zugeordnet. Dafür werden fleißig neue Teilnehmernummern vergeben. Dann muss man sich nicht wundern, dass innerhalb kürzester Zeit ein heilloses Durcheinander mit jedem Umzug einer Person aus einem Haushalt entsteht und das Chaos wächst und gedeiht.

Der Beitragsservice hat im Rahmen seiner merkwürdigen KUNDENGEWINNUNG - der DIREKTANMELDUNG vielen Bürgern einseitig durch eigenwillige Vergabe einer neuen Teilnehmernummer ein Konto für Rundfunkbeiträge eingereichtet und dann die Bürger mit Zahlungsaufforderungen versehen. Eine hohe Zahl ist völlig ungerechtfertigt.

Wieviele ungerechtfertigte Beitragskonten könnten das sein?   mindestens siebenhundertfünfzigtausend (750.000). Das kann aus dem Anstieg der Vollstreckungsersuchen seit Einführung der Direktanmeldung errechnet werden. Hinzu kommen die Millionen angeblichen Beitragspflichtigen, die (bisher) von einem Vollstreckungsersuchen verschont sind.

In den verschiedenen Foren des Internet können die absurdesten Situationen nachgelesen werden, wie der Beitragsservice "Neue Beitragszahler" verpflichtet. Freundin bezahlt, GEZ meldet mich einfach an Beitragsservice - Rundfunkbeitrag nicht doppelt zahlen: Verbraucherzentrale, Gebühren für eine Flensburger Geisterwerkstatt, Paare mit zwei Namen zahlen doppelt ..

Das Chaos kann auch an den Statistiken für Beitragseinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag und den Maßnahmen der Zwangsvollstreckung abgelesen werden. Nach 3 Jahren Rundfunkbeitrag sind die Zwangsvollstreckungen um 100 % angestiegen. Nach alter Lesart der GEZ, dem neuen Beitragsservice wird weiterhin die paranoide Weltanschauung der vielen Beitragsverweigerern verbreitet. Gleichzeitig musste der Beitragsservice feststellen, das mindestens 65 % aller Mahnverfahren und Zwangsvollstreckungen unberechtigt waren und die Forderungen sich in Luft auflösten.

 


Sie haben die haarsträubende Ignoranz des Beitragsservice oder gar eine Zwangsvollstreckung trotz Zahlungen erlebt und wollen darüber informieren. Nehmen Sie mit uns KONTAKT auf, damit wir den Beitrag mit den erforderlichen Unterlagen besprechen können.


 

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Für den interessierten Leser hier die direkten Links zu den letzten Geschäfts- bzw. Jahresberichten (bis 2016):

2016:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e5042/Jahresbericht_2016.pdf

2015:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e4730/Jahresbericht_2015.pdf

2014:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e1691/Geschaeftsbericht_2014.pdf

2013:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e814/Geschaeftsbericht_2013.pdf

2012:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e1248/GB2012.pdf

2011:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e1247/geschaeftsbericht_gez_2011.pdf

2010:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e1246/geschaeftsbericht_gez_2010.pdf

2009:  https://www.rundfunkbeitrag.de/e175/e1245/geschaeftsbericht_gez_2009.pdf